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Bundesagentur für Arbeit - Regionaldirektion Bayern
„Den höchsten Effekt hat es, wenn Azubis werben“

Wie lässt sich das Interesse an einer Ausbildung steigern? Was müsste besser laufen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen? Wer könnte das besser wissen als diejenigen, die das Problem jeden Tag auf dem Schreibtisch liegen haben: Die Menschen von der Bundesagentur für Arbeit. Wir unterhielten uns mit Klaus Beier, er ist Geschäftsführer Operativ bei der Regionaldirektion Bayern.

Herr Beier, trotz Energiekrise und schlimmen Meldungen aus der Ukraine gab es Anfang April eine „Hart-aber-fair“-Sendung in der ARD zum Thema Fachkräftemangel. Haben Sie die Sendung zufällig gesehen?

Nicht nur zufällig. Der Fachkräftemangel ist ein Thema, welches mich seit Jahren beschäftigt. Daher war für mich natürlich klar, dass ich mir die Sendung ansehen werde, als ich von dem Thema erfuhr.

Mehrfach wiesen die Talkgäste in der Sendung darauf hin, dass das Problem schon in den Schulen seinen Anfang nehme, es müsse mehr Orientierungsarbeit stattfinden. Ich hatte das Gefühl, dass keiner der Gäste so richtig Bescheid wusste, was an den Schulen bereits geleistet wird und auch nicht, welche Rolle dabei Institutionen wie Industrie- und Handelskammern oder Initiativen wie SchuleWirtschaft und vor allem die Berater:innen der Bundesagentur für Arbeit spielen. Haben Sie ein Problem damit?

Die Bundesagentur für Arbeit hat einen gesetzlichen Auftrag zur beruflichen Orientierung und Beratung. Um diesem umfänglich gerecht zu werden und den Jugendlichen das bestmögliche Angebot an beruflicher Orientierung zu bieten, wurde zusätzlich gemeinsam mit dem bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus eine Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schulen und Berufsberatung in Bayern geschlossen. Der engen Zusammenarbeit mit den Schulen und der Beratung durch die Berufsberater:innen der Agenturen in Schulen kommt dabei eine ganz zentrale Rolle zu. Zu den wichtigen Akteuren gehören die Industrie- und Handelskammern sowie die Arbeitgeber- und Branchenverbände. Wir alle arbeiten in Bayern gemeinsam an diesem Thema – abgestimmt mit den Schulen. Wir pflegen in Bayern einen sehr engen Austausch und eine kooperative Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren am Arbeits- und Ausbildungsmarkt und bemühen uns stets um ein gut abgestimmtes gemeinsames Vorgehen im Sinne der Jugendlichen in Bayern. Nur gemeinsam kann uns eine aktive und zukunftsorientierte Begleitung junger Menschen am Übergang von Schule zum Beruf gelingen.

Es gibt inzwischen viele Branchen, in denen es an Nachwuchs fehlt. Wie muss ich mir die Diskussionen bei Ihnen im Haus vorstellen, was das mangelnde Interesse von Schüler: innen für manche Fächer und Branchen betrifft?

Die Diskussion, die Sie ansprechen, sehen wir immer wieder als Anlass, uns in die Gespräche im Netzwerk einzubringen. Die Berufsberater:innen kennen aus ihren Beratungsgesprächen mit den Jugendlichen und ihren Eltern das Image, das manchen Branchen anhaftet. Im Netzwerk können wir deshalb für die Belange, die für die Berufswahl der jungen Menschen leitend sind, sensibilisieren. Darüber hinaus empfehlen wir sowohl den Ausbildungssuchenden als auch den Ausbildungsbetrieben, Praktika zu durchlaufen bzw. Praktika anzubieten und darüber die Chancen zu nutzen, zusammenzukommen.

Sie sprechen sicher auch mit vielen Arbeitgeber:innen in Bayern. Haben Sie das Gefühl, dass die Unternehmen genug machen, um für sich als Ausbildungsanbieter zu werben?

Viele bayerische Ausbildungsbetriebe haben die Zeichen der Zeit erkannt und nutzen eine multimediale Vermarktung und eine breite Öffentlichkeitsarbeit. Gerade bei auf den ersten Blick vielleicht nicht so attraktiven Berufen hängt es oft davon ab, wie ich diesem Informationsdefizit begegne. Neben den oftmals guten Aufstiegschancen oder auch Verdienstmöglichkeiten ist es hierbei oftmals hilfreich, z.B. mit Berufspraktika oder mit niederschwelliger Kontaktaufnahme zu arbeiten. Oftmals zeigen sich lokale Branchenbotschafter als gute Werbeträger für die Tätigkeit. Was man aber nicht unterschätzen darf und was in meinen Augen mitunter den höchsten Effekt hat ist, wenn Azubis andere Azubis werben in dem Sinne, dass sie an den Arbeitgeberveranstaltungen beteiligt sind. Hier erfährt der oder die Jugendliche quasi aus erster Hand aus der eigenen Altersgruppe, wie die Tätigkeit wirklich ist.

Worauf setzen Sie vor allem, wenn es darum geht, junge Menschen und Unternehmen wieder besser zusammenzubringen?

Hier setzen wir auf verschiedene Strategien. Am wichtigsten und davon bin ich trotz all der sehr guten digitalen Möglichkeiten überzeugt, ist die individuelle Beratung durch unsere Berufsberatung den Arbeitgeber-Services. Und dies geht Hand in Hand in dem wir durch den richtigen Medien Mix – also z.B. YouTube, Instagram, Twitter – Reichweite generieren, also für die jungen Menschen auch sichtbar sind. Da reicht es nicht mehr aus, eine gute Webseite zu haben – hier müssen wir die Medien der Jugendlichen nutzen, sie also dort abholen wo sie sind! Abgerundet wird dies dann durch z.B. Ausbildungsmessen, Girls‘ oder Boys‘ Day aber auch z.B. durch digitale Betriebsrundgänge.

Vielen Dank, Herr Beier, für das Gespräch!

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