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Preis für Berufsorientierung an Schule
„Abschauen ist erwünscht!“

Die Berufsorientierung an den Schulen traf es in den besonders harten Pandemiezeiten ganz besonders. Keine Praktika, keine Berufsfelderkundungen, vor allem aber hatten andere Themen an den Schulen oft Vorrang. Nach der ersten hektischen Phase in der Pandemie mussten rasch Alternativen gefunden werden, um in der beruflichen Orientierung trotz widriger Umstände und Schulschließungen nicht den Anschluss zu verlieren. Für das, was Anne-Christin Zeng und Konrad Schaller damals am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Berlin auf die Beine stellten, haben sie jetzt den Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Unterricht innovativ“ gewonnen. Ihr Projektname: „Digitale Berufsorientierung“.

Frau Zeng, Herr Schaller, in der Pandemie dachten sich sehr viele BO-Koordinator*innen an den Schulen neue digitale Formate aus. Die Arbeitsagenturen reagierten schnell und halfen, Ehemalige und Ausbildungsleiter traten plötzlich in Online-Konferenzen auf. Sie haben sich damals ebenfalls einiges einfallen lassen und dafür jetzt sogar einen Preis erhalten. Was fand die Jury besonders bemerkenswert bei Ihrem Projekt?

Anne-Christin Zeng: In unserem Kurs „Studium & Beruf“ ging es zum einen natürlich um Informationen über Ausbildungs-, Studien- und Berufsmöglichkeiten, zum anderen aber auch um die Vermittlung von Kompetenzen und adaptiven Strategien, auf die die Schüler*innen z.B. auch bei veränderten technischen Gegebenheiten oder bei der Erschließung völlig neuer Berufszweige zurückgreifen können. Indem wir in der Zeit der Schulschließung die Jugendlichen an verschiedene digitale Formate herangeführt, immer auf die Handlungs- und Produktionsorientierung gesetzt und gleichzeitig auf inhaltliche Abwechslung geachtet haben, ist uns dieser „Spagat“ gut gelungen. Die Schüler*innen hatten bei der Erarbeitung viele kreative Freiräume und haben sich im Rahmen von Peer-Reviews konstant gegenseitig Feedback gegeben. Auch das fördert in unseren Augen Fähigkeiten, die weit über Schule hinaus bei der Bewältigung von Beruf und Alltag hilfreich sind.

Sie haben damals vier verschiedene digitale Formate zur Studien- und Berufsorientierung in einem Kurs entwickelt. Einen Berufeblog, den Podcast „Ausbildungsberuf“, dann Lernspiele zum Studien- und Ausbildungs-ABC und schließlich die Online-Veranstaltung „Schüler*innen fragen Studierende“. Wie haben Sie das damals zeitlich hinbekommen, neben Ihren ganzen anderen Aufgaben?

Anne-Christin Zeng: Die Arbeit im Team hat definitiv vieles einfacher gemacht! Im Lockdown saß man als Lehrkraft ja in der Regel plötzlich erstmal ganz allein vor dem PC und musste überlegen, wie man die Schüler*innen auch aus der Ferne weiter unterrichten kann, ohne dass man endlos lange Videokonferenzen durchführt. Wir haben also regelmäßig telefoniert und uns Ideen zugespielt, die wir dann gemeinsam im Gespräch weiterentwickelt und im Anschluss umgesetzt haben. Ich denke, dass wir damit auch gleichzeitig Vorbild für die Schüler*innen des Kurses waren, da wir ja auch von ihnen bei fast allen Aufgaben verlangt haben, im Team oder in Kleingruppen zu kooperieren.
Die aktive Beteiligung der Schüler*innen und die positiven Rückmeldungen, dass unser Konzept gut ankommt, hat uns immer weiter motiviert und uns dann auch durch sehr arbeitsreiche Phasen mit vielen anderen Aufgaben „hindurchgetragen“.

Wenn jetzt wieder ganz analoge Treffen mit Vertreter*innen aus Betrieben, Hochschulen und der Arbeitsagentur möglich sind: Wäre es aus Ihrer Sicht wünschenswert, wenn die digitalen Projekte dauerhaft ihren Platz in der BO finden?

Konrad Schaller: Absolut! Die Projektideen aus der Pandemiezeit sind keine Eintagsfliege, sondern werden auch im Präsenzunterricht zentrale Bausteine bleiben. So setzen wir den Blog, den Podcast und die Learning-Apps auch weiterhin ein. Die Schüler*innen des neuen Kurses greifen dabei auf die Produkte des letzten Jahrgangs zurück.
Die Betriebserkundungen und Begegnungen haben wir vermisst und sind froh, dass diese nun wieder möglich sind, um Unternehmen und den Berufsalltag erleben zu können. Wir glauben, dass wir damit die Potentiale von digitalen Möglichkeiten und dem notwendigen persönlichen Kontakt, wie z.B. bei Messen, ideal verbinden. Die Zeit des Homeschoolings ist rückblickend auch ein Katalysator für neue Formate gewesen. Wir wären vorher nie auf die Idee gekommen, Studierende aus Köln oder Hamburg zu kontaktieren, sondern haben „nur“ Exkursionen an Berliner Universitäten gemacht. Die digitale Fragerunde haben wir ebenfalls in diesem Schuljahr erneut aufleben lassen.

Kann man sich bei Ihnen direkt melden, wenn Kolleginnen und Kollegen Ähnliches an ihrer Schule anbieten möchten? Immerhin sind Sie ja jetzt Preisträger und sozusagen ein Leuchtturm in der BO!

Konrad Schaller: Die Aufmerksamkeit, die die BO durch diesen Preis bekommt, ist ein wichtiges Signal und Anerkennung, die wir stellvertretend für engagierte BO-Kolleg*innen entgegennehmen. Und wir stehen gern als Ansprechpersonen zur Verfügung. Der kollegiale und überregionale Austausch ist aus unserer Sicht ein wichtiger Faktor für Schulentwicklung – getreu dem Motto „Abschauen erwünscht“. Hoffentlich sind die Ideen einfach zu kopieren und zu adaptieren, damit diese positiven Ansätze weitere Kreise ziehen. Wir haben in den letzten beiden Schuljahren erlebt, dass viele Lehrkräfte innovative Ideen entwickelt und sich gegenseitig inspiriert haben. So freuen wir uns, wenn Kolleg*innen ihre BO-Angebote digitalisieren und weiterentwickeln.

Und was passiert jetzt ganz genau mit dem Preis?

Anne-Christin Zeng: Vom Preisgeld wollen wir gerne neue Materialien für den Kurs „Studium & Beruf“ anschaffen. Wir haben beispielsweise vor kurzem an einem tollen Sketchnotes-Workshop teilgenommen. Da sind schon wieder viele neue Ideen entstanden, wie wir diese Visualisierungsmethode im Unterricht einbinden können.

Konrad Schaller: Und die Urkunde erhält natürlich einen Ehrenplatz in unserem BSO-Büro – damit wir diesen Moment der Wertschätzung auch in den arbeitsreichen und schwierigeren Phasen als Ansporn immer vor Augen haben.

Kontakt: zeng@cvo.berlin
schaller@cvo.berlin

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