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Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
„30.000 unbesetzte Ausbildungsplätze im SHK-Handwerk“

Es gibt viele Branchen und Berufe, die derzeit von den Folgen des Klimawandels profitieren. Gerade der Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik erlebt nicht nur eine Auftragsflut, sondern auch technologische Quantensprünge. Zum Interview trafen wir Birgit Jünger, Referatsleiterin Marketing im Zentralverband Sanitär Heizung Klima und Frank Voßloh, Geschäftsführer der Viessmann Deutschland GmbH.

Frau Jünger, Ihre Branche sucht dringend junge Leute, die eine Ausbildung zum bzw. zur SHK Anlagenmechaniker:in machen.

Birgit Jünger: Der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik liegt aktuell zwar auf Platz 3 der beliebtesten Berufe bei jungen Männern in Deutschland, also gleich hinter dem KFZ-Mechatroniker und dem Fachinformatiker. Doch der demografische Wandel verschärft den Wettbewerb um Nachwuchskräfte massiv, und das in allen Branchen. Hinzu kommt die hohe Studierneigung, das macht die Gewinnung von geeigneten jungen Menschen für das SHK-Handwerk auch nicht leichter. Eins möchte ich an dieser Stelle daher direkt loswerden: Wer etwa in einem MINT-Fach studiert und aus welchen Gründen auch immer abbrechen möchte: Bei uns sind Studienabbrecher herzlich willkommen!

Herr Voßloh, Sie arbeiten beim Heizungshersteller Viessmann und werden beurteilen können, zu was der Fachkräftemangel bei Ihnen im Haus, aber auch bei den ausführenden Handwerksbetrieben, führt. Was könnte konkret passieren, wenn dauerhaft zu wenige junge Menschen in den Bereich Heizung und Sanitär gehen, gleichzeitig aber halb Deutschland seine alten Heizungen auszutauschen möchte?

Frank Voßloh: Das könnte sehr konkret zur Folge haben, dass die von der Bundesregierung angestrebten Klimaziele nicht erreicht und die wichtigen Fortschritte beim Einsatz regenerativer Energieträger rund um Gebäude nicht erzielt werden können, das muss man einfach so deutlich sagen. Als Hersteller können wir die bestmöglichen Klimalösungen zwar entwickeln, aber wir brauchen in Deutschland auch mehr Fachkräfte, die unsere Technologie beim Endkunden installieren können. Zurzeit gibt es ungefähr 30.000 unbesetzte Ausbildungsplätze im SHK-Handwerk. Aus diesem Grund unterstützen wir bei Viessmann mit großem Engagement die Ausbildungsinitiativen des ZVSHK. Denn junge Menschen können mit dieser Handwerksausbildung einen großen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Meine Botschaft lautet daher: Wir freuen uns auf mehr Klimaheldinnen und -helden!

Auszubildende verdienen in der Regel nicht gerade üppig, eben weil sie sich in der Ausbildung befinden und die Betriebe auch in sie investieren. Könnten höhere Vergütungen nicht auch ein Weg sein, jüngere Menschen in die Ausbildung zu locken?

Birgit Jünger: Beim SKH Anlagenmechaniker haben wir 2021 nachgelegt und im vierten Lehrjahr wird je nach Region die Marke von 1.000 Euro nun überschritten. Doch wir bieten ja auch eine Menge: Die Weiterbildungs- und Aufstiegschancen sind vielfältig, das Umfeld mit schnellen Innovationszyklen ist ungeheuer dynamisch. Daher ist nach einem Abschluss auch vieles möglich: Man kann Techniker werden oder es zum Meister schaffen, danach noch ein Studium aufnehmen oder eine Karriere als eigener Unternehmer einschlagen. Die Antwort auf die Frage lautet also: Sicher wird man in der Ausbildungszeit nicht reich, doch das SHK-Handwerk ist krisensicher und gesellschaftsrelevant. Und dieser Beruf ist für die Gesellschaft wichtig, ohne das SHK-Handwerk wird die Klimawende nicht gelingen. Die Arbeitsmarktchancen sind insofern mehr als rosig, das wiegt es wieder auf.

Herr Voßloh, Viessmann baut die Heizungen, die Handwerksbetriebe später installieren. Wie sorgen Sie als einer der größten Klima- und Heiztechnik-Anbieter dafür, dass die Handwerker vor Ort technisch up-to-date sind? Wie muss ich mir die Organisation Ihrer Fortbildung vorstellen?

Frank Voßloh: Um die Weiterbildung unserer Fachpartner kümmert sich unsere Viessmann Akademie. Einerseits traditionell mit einem umfangreichen und praxisorientierten Präsenz-Programm, das die Partner für alle Tätigkeiten vom Verkauf über Planung, Installation und Inbetriebnahme bis hin zu Service und Reparaturen qualifiziert. Dafür haben wir in unserem Infocenter in Allendorf über 100 Geräte in Schulungsräumen installiert sowie alle unsere Vertriebsniederlassungen mit Praxis-Schulungsräumen ausgestattet. Da aber auch für unsere Fachpartner Zeit immer wertvoller wird, bieten wir andererseits mehrere hundert interaktive Online-Schulungen jährlich an, in denen sich die Partner entweder gezielt zu einem Aspekt weiterbilden oder sich – in Mehrtages-Schulungen – zum Spezialisten auf einem Gebiet ausbilden lassen können. Und Produkteinführungen begleiten wir aktuell zudem durch Livestream-Veranstaltungen, bei denen abwechslungsreiche Formate live aus unserem TV-Studio senden.

Frau Jünger, können Sie sagen, welche Punkte es in Einstellungsgesprächen immer wieder sind, die bei Schulabgänger*innen ziehen? Was kommt am besten an, wenn mögliche Berufs- und Karrierewege für SHK Anlagenmechaniker:innen beschrieben werden?

Birgit Jünger: Auf jeden Fall schätzen junge Menschen, dass sie in unseren meist inhabergeführten SHK-Fachbetrieben eine familiäre Atmosphäre des Vertrauens finden. Der Chef kennt einen mit Namen und unterstützt bei Problemen. Das geht oft weit über betriebliche Belange hinaus. Unsere Azubis schätzen ferner die große Abwechslung und Vielfalt der Tätigkeiten. Das hören wir immer wieder z.B. im Rahmen unserer Nachwuchsinitiative bei ZEITZUSTARTEN. Dort informieren junge Azubis und Gesellen über ihre Erfahrungen. Geschätzt wird auch der Beitrag, den man mit moderner Gebäudetechnik zum Klimaschutz leistet. Denn das tut man als Anlagenmechaniker SHK. Nach dem Motto: Draußen demonstrieren, drinnen installieren.

Frau Jünger, Herr Voßloh, vielen Dank für das Gespräch!

zeitzustarten.de
www.viessmann.family/de/karriere/ausbildung-und-studium

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