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Auslandsaufenthalte in der Berufsausbildung
„Sie wachsen als Persönlichkeit“

Während der Ausbildung für einige Zeit ins Ausland? Und zwar nicht als Urlauber, sondern als Azubi? Das geht! Wir haben uns mit Stefan Metzdorf, dem Leiter des Teams AusbildungWeltweit beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterhalten.

Herr Metzdorf, viele Schulabgäner/innen wissen gar nicht, dass man auch als Azubi Auslandserfahrung sammeln kann und dass es dafür Förderungen und Angebote gibt.

Stefan Metzdorf: Es stimmt: Dieses wichtige Thema wird nicht überall als Selbstverständlichkeit angesehen. Und nicht alle Jugendlichen, Lehrkräfte, Berufsberater/-innen und Ausbildungsverantwortliche sind mit der Vielfalt der Möglichkeiten vertraut. Daher lohnt ein Blick auf das Thema wirklich. Das gilt aber gerade auch für kleinere Betriebe, die aus personellen Gründen nicht selbst in der Lage sind, solche Aufenthalte im Ausland für ihre Azubis zu organisieren.

Die Europäische Union fördert Auslandsaufenthalte von Azubis mit Erasmus+ und der Bund mit AusbildungWeltweit. Warum gibt es zwei Förderprogramme?

Metzdorf: Die zwei Programme erlauben den nötigen Förderspielraum: Erasmus+ ermöglicht in erster Linie Auslandserfahrung bei unseren europäischen Nachbarn. Das Bundesprogramm AusbildungWeltweit unterstützt maßgeschneiderte Aufenthalte in anderen Regionen. Die Förderprogramme ergänzen sich gegenseitig. Mit diesem globalen Förderangebot steht Auszubildenden die Tür in die Welt offen. Es gibt aber auch noch kleinere und länderspezifische Auslandsprogramme für Azubis, die beispielsweise von privaten Stiftungen angeboten werden. Übrigens informiert unser Beratungsservice www.meinauslandspraktikum.de auch über diese Möglichkeiten.

Nun stelle ich mir folgende Situation vor: Jemand möchte zum Beispiel eine Schreinerlehre machen. Soll die Person im Vorstellungsgespräch darauf hinweisen, dass sie auch mal im Ausland sägen möchte?

Metzdorf: Natürlich ist das denkbar. Wenn ich im Vorstellungsgespräch meine Begeisterung für das Handwerk zum Ausdruck bringe, dann kann ich auch Interesse an einem Auslandsaufenthalt einbringen. Idealerweise sollte ich darstellen können, was ich mir für meinen Beruf von diesem Auslandsaufenthalt verspreche. Vielleicht geht es mir darum, Bearbeitungstechniken oder Werkstoffe kennenzulernen, die in Deutschland weniger verbreitet sind.

Wie hoch ist der Aufwand für die Betriebe?

Einige Kammern oder Berufsschulen organisieren Auslandsaufenthalte, so dass der Betrieb in diesem Fall keinen bürokratischen Aufwand hätte. Der Chef müsste den Azubi dann lediglich freistellen. Gleichzeitig kann der Betrieb für das eigene Marketing beispielsweise das Label „Erasmus+ Ausbildungspartner“ oder „Partner von AusbildungWeltweit“ nutzen, wenn er Auslandsaufenthalte ermöglicht. Auch die lokale Presse berichtet gerne über diese Art von Engagement. Das sind für den Chef vielleicht auch überzeugende Argumente.

Wie viele Azubis gehen in Nicht-Corona-Zeiten in der Regel ins Ausland? Und welche Länder sind am beliebtesten?

Durch Datenerhebungen und eigene Hochrechnungen können wir sagen, dass etwa sieben Prozent der Auszubildenden des Abschlussjahrgangs 2019 im Laufe ihrer Ausbildung im Ausland waren. Das sind mehr als 40.000 Personen. Die meisten Auszubildenden waren mit Erasmus+ im Ausland. Und das noch junge Programm AusbildungWeltweit hat viel Wachstumspotential. Vor Corona waren Großbritannien, die Niederlande, Frankreich und Spanien die beliebtesten europäischen Zielländer. Außerhalb der EU waren es die USA, China, die Schweiz, Kanada und Australien.

Muss sich der Auszubildende beziehungsweise der Betrieb ein Unternehmen im Ausland selber suchen? Und wenn ja, wie geht man da konkret am besten vor?

Metzdorf: Es gibt es auch „fertige“ Projekte von beruflichen Schulen, Kammern und anderen Berufsbildungseinrichtungen, die allen interessierten Auszubildenden offenstehen. Unsere Webseite www.meinauslandspraktikum.de beinhaltet eine entsprechende Praktikumsplatzsuche für Europa. Für ein eigenes, maßgeschneidertes Projekt benötige ich natürlich eine ausländische Partnerorganisation bzw. einen Gastbetrieb. Für die Partnersuche gibt es verschiedene Modelle. Einige Betriebe verfügen über Niederlassungen im Ausland, die ein Praktikum durchführen könnten. Auch ein ausländischer Kunde kann als Gastbetrieb in Frage kommen. In manchen Fällen vermitteln Partnerschulen im Ausland einen Praktikumsbetrieb. Städte- und Regionalpartnerschaften können zudem den Rahmen für das Praktikum bieten. Auslandshandelskammern können ebenfalls bei der Praktikumsplatzsuche unterstützen.

Danke, Herr Metzdorf, für das Gespräch!

www.meinauslandspraktikum.de
www.ausbildung-weltweit.de
www.na-bibb.de

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