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Digitale Ausbildungsbetriebe
„An vielen Stellen fehlt in den Unternehmen die Zeit“

Wie digital Unternehmen sind, lässt sich meist schon an der Homepage erkennen und im Kundenservice. Doch wie wichtig ist den Firmen, auch ihre Ausbildungsgänge auf die Höhe der Zeit zu bringen? Das Institut der Deutschen Wirtschaft versucht seit 2019, hier mit Hilfe eines Index Trends zu erkennen. Ob das gelingt, erfuhren wir von Paula Risius, sie ist Researcher für digitale Bildung und Fachkräftesicherung.

Frau Risius, Sie untersuchen seit 2019 nun schon zum dritten Mal, wie stark die Unternehmen in ihren Ausbildungsgängen digitale Formate einsetzen. Wer in dem achtstufigen Index ganz oben steht, darf sich „Ausbildungsunternehmen 4.0“ nennen, ganz unten im Ranking stehen die „Digitalen Nachzügler“. Kann man denn für eine solche Untersuchung Unternehmen über einen Kamm scheren? Immerhin kommt bei einem IT-Haus naturgemäß mehr Digitales zum Einsatz als etwa in einem Handwerksbetrieb.

Das stimmt – Digitalisierung sieht im Handwerk, der IT oder auch der Industrie ganz unterschiedlich aus. Digitale Tätigkeiten findet man aber eigentlich überall: Anlagen, die man digital bedient, kommen eher in der Industrie zum Einsatz, während die Online-Recherche in Dienstleistungsberufen wichtiger ist. Darum formulieren wir die Kriterien für den Index ausgewogen und branchenneutral. So besteht für alle Unternehmen die Chance, als „Ausbildungsunternehmen 4.0“ erkannt zu werden.

In den Index fließen so Faktoren ein wie digitale Lernformate, digitale Kompetenzen oder auch digitale Bestandteile in der Ausbildung ein. Sie schreiben in der Studie, dass es seit der Ersterhebung 2019 schon kräftige Verschiebungen gab.

2019 wurden im Schnitt 3,3 digitale Lernmedien eingesetzt, inzwischen sind es 4,0. Auch bei den Kompetenzen ist Bewegung drin: 2019 waren wir bei durchschnittlich 4,6 digitalen Kompetenzen, nun sind es 5,0. Wir haben einen klaren Aufwärtstrend – was gut ist, denn die Digitalisierung bleibt ja nicht stehen.

In Ihrer Studie nennen Sie die Argumente, die für intensive Anstrengungen in puncto Digitalisierung sprechen. Zum einen würde das dazu führen, dass das Unternehmen selbst innovativer wird. Zum anderen würde es aber auch die Ausbildung selbst attraktiver machen in den Augen der Bewerber:innen. Wie können denn Schulabgänger:innen eigentlich feststellen, ob eine Firma eher 4.0 oder doch Nachzügler ist?

Der zuverlässigste Weg ist sicherlich nach wie vor das Praktikum, bei dem die Jugendlichen ein Unternehmen von innen erleben können. Viele informieren sich aber auch in den sozialen Medien. Es lohnt sich also, sich auch dort zu präsentieren und zu zeigen, wie digital die Ausbildung schon ist.

Sie haben herausgefunden, dass 80 Prozent der Unternehmen wohl wissen, dass sie als digitales Unternehmen bessere Chancen haben im Azubimarketing. Warum setzen sie es dann nicht schnell um? Liegt es am Geld?

An vielen Stellen fehlt in den Unternehmen die Zeit. Wir haben Fachkräftemangel, die meisten Ausbilder:innen sind im Tagesgeschäft stark eingespannt. Sie sind aber diejenigen, die die Ausbildung digital gestalten. Gerade anfangs fehlen Routinen und viele Fragen sind offen. Sich weiterzubilden und Neues auszuprobieren, kostet also erst mal Zeit – die oft nicht da ist. Spätestens mittelfristig lohnt sich das Investment aber und kann dann sogar Zeit sparen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Risius.

https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/IW-Kurzbericht_2022-Ausbildung-in-Unternehmen-wird-digitaler.pdf

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