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Zulassungsgespräche an Hochschulen
„Es braucht Nachweise, dass man sich mit dem Studienthema beschäftigt hat“

Immer öfter nutzen auch Hochschulen die Möglichkeit, Gespräche mit Bewerber:innen für bestimmte Studiengänge zu führen. Doch für welche Studiengänge gilt das? Und worin unterscheiden sie sich von Bewerbungsgesprächen bei Firmen? Auskunft gab uns Katrin Iost, sie ist Geschäftsführerin bei Studis Online.

Frau Iost, wann gibt es an der Hochschule Zulassungsgespräche?

Auswahlgespräche werden bei einigen Bachelor-Studiengängen mit NC gemacht. Außerdem können sie bei Masterstudiengängen vorkommen, die sehr begehrt sind. Teilweise werden sie nur mit einem Teil der Bewerber:innen geführt, wenn z.B. die Abschlussnote einen bestimmten Wert nicht erreicht. Knapp 40 Prozent aller Studiengänge hatten dieses Jahr einen NC, bei höchstens der Hälfte dieser NC-Studiengänge gab es dann auch Auswahlgespräche.

Solche Gespräche sind bei Unternehmen schon immer üblich, warum jetzt auch an Hochschulen?

Mit Auswahlgesprächen und anderen Kriterien versuchen gerade Hochschulen mit begrenztem Studienplatzangebot, sich die geeignetsten Bewerber:innen herauszupicken. Besonders, wenn die Studiengänge sehr begehrt sind, suchen sie nach denjenigen Studienanfänger:innen, bei denen die Wahrscheinlichkeit am geringsten ist, dass sie das Studium wieder abbrechen.

Gibt es Unterschiede zwischen Auswahlgesprächen und Bewerbungsgesprächen für einen Job?

Ja. Es werden bei einem Auswahlgespräch an der Hochschule statt nur einem Neuling gleich mehrere genommen. Das heißt, dass auch unterschiedliche Bewerberprofile Erfolg haben können. Und es geht in einem Auswahlgespräch darum, das anschließende Studium mit viel Literaturrecherche und Prüfungen erfolgreich abschließen zu können. In einem Bewerbungsgespräch für einen Job hingegen müssen die Arbeitsuchenden die Firma davon überzeugen, dass sie fähig sind und über ausreichendes Wissen verfügen, um die täglich anfallenden Aufgaben erledigen zu können.

Wie kann oder sollte man sich auf ein Gespräch an der Hochschule vorbereiten?

Geprüft werden im Auswahlgespräch Motivation und Eignung mit Blick auf die später möglichen Berufe. Die Motivation ist unser innerer Antrieb. Zur Eignung gehören Wissen und Fähigkeiten, die wir mitbringen. Beide müssen fürs Auswahlgespräch sichtbar gemacht werden. Also: Bewerber:innen, die überzeugend begründen können, warum sie sich für einen Studiengang interessieren und Alternativen verworfen haben, zeigen bereits eine fürs Studium wichtige Qualifikation, nämlich die Fähigkeit, sich mit komplizierten Zusammenhängen auseinandersetzen zu können. Bei der Argumentation des Für und Widers sollten sie auch berufliche Möglichkeiten nach dem Studium mit in den Blick nehmen. Außerdem offenbaren Abschlüsse, belegte Kurse oder Erfahrungen aus Hobbys, Praktika, Auslandsaufenthalten und Nebenjobs Interessen und Fähigkeiten. Und: Studienbewerber:innen sollten über aktuelle Ereignisse und Meinungen zum Studienthema Bescheid wissen.

Was kommt nicht gut an?

Die Motivation sollte sich nie auf Fernsehserien oder Familienvorbilder beschränken. Studienanfänger:innen brauchen aussagekräftigere Nachweise, um zu zeigen, dass man sich mit dem Studienthema beschäftigt hat. Und auch durchaus vorhandene Wünsche wie sozial aufzusteigen oder viel Geld zu verdienen sind als Beweggründe in Auswahlgesprächen nicht gut angesehen.

Was können Studienanfänger tun, wenn sie nichts Offensichtliches im Lebenslauf haben?

Fähigkeiten können sich verstecken. Zum Beispiel könnte sich eine Neigung zu Mathematik und sozialem Engagement in einer praktischen Aktion verbergen, dem Bau eines Weidentipis für einen Kindergarten und den dafür nötigen Berechnungen, an welcher Stelle die Löcher gebuddelt werden müssen. Auch in Nebenjobs oder Hobbys lassen sich solche weniger offensichtlichen Qualifikationen aufdecken. Danach sollten sie suchen.

Was sollten Bewerber:innen beim Auswahlgespräch tragen?

„Kleide dich so, dass du dich nicht zu aufgestylt fühlst, aber auch nicht so, dass dich deine Mutti nicht aus dem Haus lassen würde“, war mal der Tipp eines Cambridge-Mitarbeiters in einem Interview. Das fand ich gut. Je nach Studiengang kann ein schickeres oder lässigeres Outfit von Vorteil sein.

Danke für das Gespräch, Frau Iost!

https://www.studis-online.de/StudInfo/auswahlgespraeche.php

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